Der österreichische Gewerbeimmobilienmarkt
Allgemeines
Das Gewerbeimmobilien-Dashboard der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) gibt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf dem österreichischen Gewerbeimmobilienmarkt und setzt diese in den Kontext der Finanzmarktstabilität. Die enge Verknüpfung von Finanz- und Gewerbeimmobilienmarkt ergibt sich aus dem hohen Anteil von Gewerbeimmobilienkrediten im Portfolio österreichischer Banken. Dementsprechend verfolgt die OeNB die Entwicklungen auf dem Gewerbeimmobilienmarkt laufend. Das Dashboard stellt der breiten Öffentlichkeit eine umfassende Datenbasis zu diesem Thema zur Verfügung. Die aufbereiteten Daten werden in vier Themenbereiche unterteilt: Angebot, Nachfrage, Gewerbeimmobilienmarkt und Makroprudenzielle Analyse Das ergänzende Dashboard zum Wohnimmobilienmarkt findet sich hier . Die vier Themenbereiche werden in separaten Reitern behandelt. Trotz dieser Aufteilung ist zu beachten, dass zwischen den Teilbereichen enge Wechselwirkungen bestehen und sie daher nicht isoliert voneinander betrachtet werden sollten. Der Aufbau der vier Reiter folgt derselben Logik: Sofern möglich, werden die Daten in mengenbezogene und preisbezogene Informationen aufgeteilt. Im Reiter Makroprudenzielle Analyse werden zusätzlich noch weitere Informationen zur Finanzierungsstruktur sowie der Kreditqualität zur Verfügung gestellt.
Weitere Informationen zur Bedienung und den Funktionalitäten des Dashboards sind im Support erklärt.
Angebot
Mengenbezogene Daten:
Das Angebot umfasst gewerblich genutzte Immobilien, die zur Eigennutzung, zum Verkauf oder zur Vermietung stehen. Es stellt den Bestand und Bestandsänderungen (Fertigstellungen) in den jeweiligen Assetklassen dar. Baubewilligungen geben Hinweise auf die zukünftige Entwicklung des Angebots.
Preisbezogene Daten:
Bau- sowie Finanzierungskosten der Bauunternehmen stellen wichtige Einflussfaktoren auf die Herstellungskosten von Gewerbeimmobilien dar.
Nachfrage
Die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien umfasst alle Akteure die gewerblich nachfragen, sei es durch Miete oder Kauf. Zu den typischen Nachfragern zählen (Eigennutzer-) Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die Flächen für geschäftliche, produktive oder administrative Zwecke benötigen. Die Nachfrage von privaten Haushalten nach Mietwohnungen wird nicht dargestellt.Das Dashboard enthält ausgewählte Indikatoren für die Nachfrage. Die allgemeine konjunkturelle Entwicklung beeinflusst die Nachfrage in allen Assetklassen. Zudem enthält das Dashboard für jede Assetklasse (Büro, Einzelhandel, Logistik & Industrie, Hotels, Gewerbliche Wohnimmobilien) eigene Nachfrageindikatoren.
Gewerbeimmobilienmarkt
Mengenbezogene Daten:
Die Anzahl und das Volumen an Transaktionen ergeben sich aus Angebot, Nachfrage sowie weiteren strukturellen Besonderheiten des Gewerbeimmobilienmarktes. Sie spiegeln die Liquidität auf dem Gewerbeimmobilienmarkt wider und stehen in Wechselwirkung mit den Gewerbeimmobilienpreisen.
Preisbezogene Daten:
Die Beobachtung der Preisentwicklung auf dem Gewerbeimmobilienmarkt ist aus Perspektive der Finanzmarktstabilität wichtig, um ungünstige Entwicklungen rasch zu erkennen. Der Gewerbeimmobilienpreisindex gibt hierzu Aufschluss über die Preise von Gewerbeimmobilien im Aggregat sowie in einzelnen Segmenten.
Makroprudenzielle Analyse
Mengenbezogene Daten:
Der Kreditbestand und die Neukreditvergabe von Gewerbeimmobilienkrediten veranschaulichen die hohe Bedeutung dieses Segments für den österreichischen Finanzmarkt sowie die Verflechtung mit der Realwirtschaft.
Preisbezogene Daten:
Die Zinssätze geben Aufschluss über die Kosten von Gewerbeimmobilienkrediten. Die Verzinsungsart und die Dauer der Zinsbindungen zeigen, wie Schuldner:innen gegenüber Zinsänderungsrisiken abgesichert sind.
Finanzierungsstruktur:
Die Struktur der Gewerbeimmobilienkredite umfasst Informationen zu wesentlichen Charakteristika bei Gewerbeimmobilienkrediten. Diese beinhaltet unter anderem Informationen zur Beleihungsquote, Laufzeit und Tilgungsstruktur.
Kreditqualität:
Die Kreditqualität von Gewerbeimmobilienkredite wird sowohl anhand der notleidenden Kredite als auch auf Basis von Risikoindikatoren für das 'Lebend-Portfolio' beurteilt.
Durch das enge Zusammenspiel zwischen Immobilien- und Finanzmärkten können systemische Risiken für den österreichischen Finanzmarkt entstehen, die im Rahmen der makroprudenziellen Aufsicht adressiert werden. In Österreich wird die makroprudenzielle Aufsicht vom Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) koordiniert, dessen Vorsitz das Bundesministerium für Finanzen innehat. Auf Basis der makroprudenziellen Analysen durch die OeNB erörtert und beurteilt das FMSG Risiken hinsichtlich der Finanzmarktstabilität und kann mit Empfehlungen an die Finanzmarktaufsicht (FMA) und Risikohinweisen darauf reagieren.
Aktuell bestehen in Österreich erhöhte systemische Risiken aus Gewerbeimmobilienkrediten. Diese sind derart ausgeprägt, dass es bei einer Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds zu einer Störung des Finanzsystems mit möglicherweise bedeutenden nachteiligen Auswirkungen auf das Finanzsystem und die Realwirtschaft im Inland kommen könnte. Zur Adressierung dieser systemischen Risiken ist der sektorale Systemrisikopuffer (sSyRP) seit Juli 2025 in Kraft. Durch den sSyRP wird die Widerstandsfähigkeit des österreichischen Bankensektors gegenüber den Systemrisiken aus Gewerbeimmobilienkrediten erhöht.
Gewerbeimmobilienmarkt: Begriffsabgrenzung
Je nach Verwendungszweck werden unterschiedliche Definitionen für Wohn- und Gewerbeimmobilienmärkte herangezogen. Gewerbeimmobilien sind gewerblich genutzte Immobilien und umfassen sowohl gewerblich genutzte Wohnimmobilien (z.B. Zinshaus) als auch Gewerbeimmobilien im engeren Sinn (z.B. Bürogebäude). Aufgrund von unterschiedlichen Definitionen aus verschiedenen Datenquellen ergeben sich teilweise leicht unterschiedliche Definitionen von Gewerbeimmobilien.
Das Angebot
an Gewerbeimmobilien umfasst baulich abgeschlossene Gebäude, die primär für wirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Dazu zählen Bürogebäude, Einzelhandelsflächen, Logistik- und Industriegebäude, Hotels sowie gewerbliche Wohnimmobilien (z. B. Mehrfamilienhäuser für Vermietungszwecke). Die Zuteilung der Assetklassen erfolgt dabei nach ihrer überwiegenden Nutzung. Gebäude, die der privaten Wohnnutzung durch Einzelpersonen dienen, werden nicht dargestellt.
Die Nachfrage
nach Gewerbeimmobilien beinhaltet Büroimmobilien, Handelsimmobilien, Logistik- & Industrieimmobilien, Hotelimmobilien sowie gewerbliche Wohnimmobilien. Die Definition ist abhängig von der Datenquelle, die für die jeweiligen Nachfrageindikatoren herangezogen werden.
Im Markt
stehen Informationen zu Transaktionen und Preisen mit Aufschlüsselungen für Büroimmobilien, Handelsimmobilien, Logistik- & Industrieimmobilien sowie gewerblichen Wohnimmobilien zur Verfügung.
In der makroprudenziellen Analyse
werden alle Kredite an juristische Personen, die einen Immobilienbezug haben, berücksichtigt. Hierbei sind sowohl Wohnimmobilien als auch Gewerbeimmobilien im engeren Sinn inkludiert. Informationen zu Krediten an private Haushalte werden im
Wohnimmobilien-Dashboard
dargestellt.
Version 1.1. Letztes Update: September 2026.